Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. (Jakobus 1, 19)

Liebe Gemeindebriefleser!

Wie geht das: schnell hören / langsam hören!?

So meint es der Apostel sicher nicht. Das Hören hat in der Bibel einen besonderen Stellenwert. Denken wir an das Schmah Israel – Höre Israel, aus dem Alten Testament. Bei den Propheten können wir es immer wieder lesen: Höre, Israel!

Aus dem Neuen Testament erinnern wir uns an den Besuch Jesu bei Maria und Martha. Auch hier wissen wir um die besondere Betonung des Hörens. Ja, Jesus bezeichnet das Hören (der Maria) als den besseren Teil, ohne dass er das von Martha bereitete Mahl verachtet hätte.

So verstehe ich auch unseren Monatsspruch des Jakobus: Seid immer bereit zum Hören – zuzuhören. Zuhören ist eine Gabe, die unter uns einfach gebraucht wird, notwendig ist. Vor Jahren begegnete ich einem Bekannten, der mich fragte, wie es mir gehe. Ich antwortete: „Im Augenblick nicht so gut.“ Darauf er: „Das wollte ich gar nicht hören!“

Anhören können, Zuhören können – bei Gott, aber auch bei unseren Mitmenschen.

Langsam zum Reden.

Wir kennen das, wenn wir uns über etwas besonders erregt haben oder gekränkt wurden. Sofort sind wir in der Abwehr. „Erst einmal darüber schlafen!“, so kennen wir den Rat. Den Kontrabrief nicht heute zur Post bringen, sondern über Nacht liegen lassen. Vielleicht zerreiße ich ihn am nächsten Morgen. Wenn Reden, dann mit Bedacht und Hirn. Sicher kennt jeder solche lieben Mitmenschen, die ohne Punkt und Komma losquasseln und man keine Chance hat, auch einmal einen Gedanken in das (einseitige) Gespräch einzubringen.

Langsam zum Zorn.

Na, ist doch klar - für uns Christen. – Ist es das? Wir kennen doch alle solche Situationen, wo uns urplötzlich der helle Zorn über ein bestimmtes Geschehen packt. Da sagte einer in einer heißen, gemeindlichen Auseinandersetzung zu seinem Gegenüber bezüglich des Verhaltens eines Dritten: „Na, dass du da jetzt so gelassen geblieben bist!“ Darauf der Angesprochene: „War ich gar nicht; ich habe innerlich gekocht und war auf 180, du hast das nur nicht gemerkt.“

Schwierige Sache mit dem innerlichen Zorn. Es gehört wohl ein Stück geistlicher Reife dazu, dies unter die Füße zu bekommen. Ich kann es noch nicht.

Aber die Bibel spricht auch von heiligem Zorn und wir wissen von Jesus, dass er bei gewissen Begebenheiten in heiligen Zorn geriet. Dies ist aber ein anderes Thema.

 

Mit herzlichem Segensgruß

Ernst Wagner