Aus. Vorbei. Zu Ende. So müssen sich die Frauen gefühlt haben, als sie sich auf den Weg zum Grab Jesu machten. Da waren sie ein paar Jahre mit ihm unterwegs, haben seine Taten gesehen, seine Worte gehört, nur letztlich war sein Ende dann doch eher menschlich. Tod.

Für Juden hat die Würde der Toten einen hohen Stellenwert und die Unversehrtheit des toten Körpers ist sehr wichtig, denn schließlich braucht man ihn bei der bevorstehenden Auferstehung. So sind Feuerbestattungen verboten (Amos 2,1) und in jüdischen Gemeinden gibt es eine Begräbnisbrüderschaft, die sich um die Einhaltung aller notwendigen mit der Bestattung in Zusammenhang stehenden Riten kümmert. All dies wird Jesus nicht zuteil, denn er starb in den Augen der Juden als ausgestoßener Verbrecher. Also tun die Frauen, was aus ihrer Sicht noch zu tun ist: Sie gehen zum Grab, um den Leichnam ihres Herren zu salben. Neben der rituellen Bedeutung eine wichtige Aufgabe in der damaligen Zeit, besonders im warmen Klima des Nahen Ostens. War man wohlhabend genug, dann legte man die Toten in abgeschottete Felsenhöhlen, damit keine wilden Tiere sie ausscharren und auffressen konnten und man salbte sie traditionell mit Öl, um ihnen Ehre zu erweisen und nebenbei den Verwesungsprozess zu verlangsamen und ggf. sogar aufzuhalten.

Also gingen die Frauen zum Grab um ihre traurige Pflicht als praktisch nächste Angehörige zu erfüllen und sicherlich wären sie auch später immer mal wieder zum Grab gekommen, um sich an Jesus, seine Worte und Taten zu erinnern, über die schönen vergangenen Zeiten nachzusinnen und ein wenig zu trauern. Doch was ist das?! Die von den Römern gestellte Grabwache ist weit und breit nicht zu sehen, das Grab ist offen, kein Leichnam zu finden und dann sind da noch zwei Männer in strahlenden Gewändern, die sie fragen, warum sie den Lebenden bei den Toten suchten und ob sie denn überhaupt zugehört hätten, was Jesus zu seinen Lebzeiten über seinen Tod und seine Auferstehung gesagt hatte. Nun, die Frauen erinnern sich und wollen die frohe Kunde dem Rest der Jünger bringen – doch diese können es nicht glauben und nur Petrus geht zumindest mal am Grab nachsehen, aber verstehen tut er es auch (noch) nicht.

Als ich vor ein paar Jahren einen Tag in Jerusalem sein konnte, wollte ich auch unbedingt das Gartengrab besuchen. Heute ist das Felsengrab außerhalb der Stadtmauern und nahe bei dem Ort Golgatha sehr schön inmitten eines Freilichtmuseums angelegt. Ich weiß nicht mehr genau, was ich erwartet hatte, aber viel mehr als einen historischen Ort mit vielen Touristen aus aller Welt habe ich nicht gefunden. Nur eine Sache hat mich berührt. Zum Schutz vor Witterungseinflüssen hat man eine Tür vor die Graböffnung gemacht und ein Schild darauf angebracht auf dem steht: „He is not here for he is risen“  (deutsch: „Er ist nicht hier, weil er auferstanden ist“). Das hat mich angesprochen und mir bewusst gemacht, dass ich Jesus tatsächlich manchmal an Orten suche, an denen er schon nicht mehr ist. Doch auch heute ist die gute Nachricht: Er ist nicht einfach weg! Er ist nur schon weiter vorangegangen! Wie die Frauen muss ich mich auch nur daran erinnern, was er gesagt hat, als ich ihm nahe war und brauche ihm dann nur auf seinem Weg nachfolgen. Ja, manchmal wünschte ich mir auch solche Männer in weißen Gewändern, die mich etwas anstupsen und mir freundlich aber bestimmt den Weg weisen, aber letztlich ist das unnötig, denn Jesus hat ja den Heiligen Geist als Ratgeber und Verbindung zu ihm geschickt, sodass ich seine nächsten Schritte (für mich) auch in direkter Kommunikation mit ihm erkennen kann. Auch sein letztes Gebot in Matthäus 28 („Gehet hin zu allen Völkern…“) ist aus meiner Sicht ein Hinweis darauf, wo er jetzt und heute zu finden ist. Nicht in der Vergangenheit, sondern in der aktuellen Welt. In den vielen großen und kleinen Dingen, die uns immer wieder neu staunen lassen. Wir müssen seinen Ruf nur zulassen und ihm nachfolgen hinaus in die Welt.

In diesem Sinne wünsche ich euch in dieser österlichen Zeit eine fröhliche und gesegnete Nachfolge des Herren, der zwar vor 2000 Jahren für unsere Sünden gestorben ist, doch das Grab überwunden hat und lebt - gestern, heute und allezeit.

Matthias Rose.