Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. Jes 50,10 (E)

 

Liebe Gemeindebriefleser!

Habt ihr schon einmal vom Dialogmuseum in Frankfurt gehört? Oder wart ihr schon einmal da? Dialogmuseen gibt es inzwischen in verschiedenen Städten dieser Welt und es sind keine Museen im eigentlichen Sinne. Hier gibt es keine echten Ausstellungen zu bestaunen, sondern nur dunkle Räume, in denen verschiedene Alltagssituationen aufgebaut sind. Ein Erlebnismuseum, in dem Sehende hautnah erleben können, wie sich blinde Menschen fühlen und in dieser Welt zurechtfinden. Glücklicherweise brauchen die Besucher sich nicht selbst durch die Räume zu tasten, sondern sie haben Führer an ihrer Seite, die sich in der Dunkelheit auskennen, weil sie daran gewöhnt sind, denn sie sind blind. Was würde es wohl für Beulen und Schrammen geben, wenn die Besucher auf sich allein gestellt wären? Sicherlich einige, denn wir sind so daran gewöhnt, unsere fünf Sinne nach Bedarf einsetzen zu können, dass wir sofort in Probleme geraten, wenn wir einen dieser Sinne verlieren und insbesondere, wenn es unsere Sehfähigkeit betrifft. Wir wissen plötzlich buchstäblich nicht mehr „wo es lang geht“ und müssen schmerzhafte Erfahrungen machen, indem wir unseren Weg ertasten. Sobald wir aber einen guten Führer haben, der uns Hinweise und Richtung gibt, wird das alles viel einfacher und mit der Zeit werden wir lernen, unsere verbliebenen Sinne zu schärfen, sodass wir uns sicherer und selbständiger in die richtige Richtung bewegen können. Und um wieviel schöner ist es dann, wenn am Ende dieser Führung eine hell erleuchtete Tür steht, die uns ein Ziel gibt und durch die wir letztlich nur gehen brauchen - und all unsere „Blindheit“ fällt von uns ab.

In diesem Dialogmuseum sehe ich viele Parallelen zu unserem Leben hier auf Erden und zu dem was Jesaja in diesem Vers meint, denn die Israeliten waren zu dieser Zeit in der Gefangenschaft in Babylon. Nicht blind, aber doch irgendwie im Dunkeln. Sie wussten nicht, was morgen kommt und wie es weitergehen wird, was ihre Herren als nächstes planten oder wie es ihnen weiter ergehen würde. Nun, Gott sein Dank leben wir hier in Deutschland nicht als Sklaven und es geht uns sehr gut. Viele unserer Probleme sind Luxusproblemchen, doch wohl jeder kommt im Laufe seines Lebens an Herausforderungen vorbei, die so richtig „an die Substanz gehen“. Plötzlich ist man innerlich im Dunkeln, obwohl man äußerlich im hellen Sonnenschein steht. Plötzlich weiß man nicht mehr wie es weitergehen, wie man noch weiterleben und das durchstehen soll. Wie gut ist es doch, wenn man in solchen Situationen einfach nur zur Ruhe kommen und sich auf Gott als den liebenden Vater und Führer verlassen kann! Wie gut, wenn man in „besseren Zeiten“ schon daran gearbeitet hat, seine (geistlichen) Sinne zu schärfen, weil man dann, durch die schnelle Übergabe des Problems an Gott den Vater, die Tiefschläge des Lebens, vielleicht nicht ganz blocken, aber zumindest abmildern kann. Und wie gut, wenn man am Ende solcher Dunkelheit plötzlich ein Licht sieht, einen leuchtenden Wegweiser, eine helle Tür, durch die man nur gehen braucht, um letztlich für immer im Licht zu stehen.

Wir befinden uns in der Adventszeit und der Stern von Bethlehem ist dieses Licht, das uns den Weg weisen will. Solange wir fest auf ihn schauen und so wie die Weisen im Morgenland Kurs auf ihn halten, werden wir am Ende zu dem gelangen, auf den der Stern hinweist – Jesus Christus. Und das nicht, weil wir es auf dem Weg dahin so gut gemacht hätten, sondern weil aus Gnade ein Stern für uns leuchtet, der uns in der Nacht der Welt ein Ziel gibt, auf das wir vertrauensvoll zulaufen dürfen.

Eine gesegnete und besinnliche Adventszeit wünscht euch

Matthias Rose