Vernachlässigt nicht die Gastfreundschaft; denn durch sie haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt. (Hebräer 13,2)

Dieser Vers richtet sich an Christen. Als er geschrieben wurde, umfasste Gastfreundschaft die Aufnahme eines Gastes – ob man ihn kennt oder nicht -  oft über Nacht oder länger.

Der Text bezieht sich vielleicht auf Abraham (1. Mose 18), der drei Männer freundlich begrüßte und zum Essen einlud ohne zu ahnen, dass der Herr in Begleitung von zwei Engeln vor seinem Zelt stand. Oder auf Abrahams Neffe Lot. Denn er bekam Besuch von zwei Engeln in Sodom und nahm sie auch auf ohne zu wissen, wer sie sind. Die Engel retteten ihn und seine Familie aus dieser verdorbenen Stadt. (1. Mose 19)

Zur Zeit des Neuen Testaments wurden Christen verfolgt. Es war ziemlich gefährlich einen Fremden aufzunehmen, denn man wusste ja nicht, ob der Gast als Spion oder als Bruder im Glauben unterwegs war. Trotzdem sollen die Hebräer die Gastfreundschaft nicht vernachlässigen.

Die Gastfreundschaft muss Gott ziemlich wichtig sein, denn Er fordert uns mehrmals in seinem Wort auf, gastfreundlich zu sein. Paulus findet die Gastfreundschaft gehört zu den guten Werken des Christen dazu (1. Tim 5,10) und bezeichnet sie als eine der Voraussetzungen für den Dienst des Ältesten (1. Tim 3,2; Tit 1,8). Jesus fordert sogar dazu auf Arme und Behinderte – also Menschen, die sich nicht erkenntlich zeigen können – einzuladen (Lk 14,13-14).

Engel stehen im Dienst Gottes. Sie sind manchmal auf der Erde unterwegs um Gottes Willen auszuführen, um Botschaften zu überbringen oder uns vor Unheil zu schützen. Dass man eventuell unwissentlich Engel bewirten könnte, soll nicht unsere Motivation für Gastfreundschaft sein, sondern soll zeigen, dass eine Tat der Barmherzigkeit bedeutungsvoller ist als man ahnt. Jesus erwähnt die Gastfreundschaft, wenn Er in Matthäus 25, 35-46 über das Gericht spricht:

Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich beherbergt; ich bin ohne Kleidung gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht; ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist, oder durstig, und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremdling gesehen und haben dich beherbergt, oder ohne Kleidung, und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis, und sind zu dir gekommen? Und der König wird ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan! Dann wird er auch denen zur Linken sagen: Geht hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben; ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt; ohne Kleidung, und ihr habt mich nicht bekleidet; krank und gefangen, und ihr habt mich nicht besucht! Dann werden auch sie ihm antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder ohne Kleidung oder krank oder gefangen gesehen und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan! Und sie werden in die ewige Strafe hingehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.

Ich will niemanden ein schlechtes Gewissen machen, sondern dass wir uns bewusst werden wie wichtig die Gastfreundschaft für Gott ist. Ich weiß, dass die Tugend der Gastfreundschaft in unserer modernen, oft hektischen Zeit vernachlässigt wird – auch von mir. Ich weiß aber auch wie horizonterweiternd und auf vielfältige Weise bereichernd Gäste sein können. Und falls ein Engel mal dabei ist…. wäre es doch schlimm, wenn wir ihn bei seiner Mission im Auftrag Gottes abweisen würden, oder?

Gott segne euch! Ruth Fladung